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January 14 2015

achim724

January 05 2015

achim724

Ulrich Beck zum BGE

im Tagesspiegel-Interview, 30.11.06

TSP: Ist diese Idee [eines bedingungslosen Grundeinkommens] nicht eine Utopie?

U.B.: Ja, eine realistische, aber keine illusionäre. Illusionär ist die Vollbeschäftigung, von der unsere Gesellschaft immer noch träumt. Wir denken, es komme nur darauf an, die Konjunktur wieder anzukurbeln, damit jeder wieder Arbeit hat. Nach 20 Jahren ziemlich erfolglosen Kampfes gegen hohe Arbeitslosigkeit müssen wir uns die Frage stellen: Wie kann man ohne Arbeitsplatz ein sinnvolles Leben führen? Genau betrachtet ist Arbeitslosigkeit ja keine Niederlage, sondern ein Sieg. Die Produktivitätssteigerung erlaubt es, mit einem Minimum an menschlicher Arbeit ein Maximum an Wohlstand zu erzielen. Freiheit statt Vollbeschäftigung – das ist heute die Alternative.

Mal angenommen, das Grundeinkommen würde eingeführt: Wer würde da überhaupt noch arbeiten wollen?

Gerade dann werden viele erst arbeiten wollen, weil sie sich endlich den Lohn nicht mehr vom Arbeitgeber vorschreiben lassen müssen, sondern selbstständig über eine gerechte Vergütung verhandeln können. Sie riskieren dabei nichts, weil sie ja ihr Grundeinkommen haben.

Und was ist mit den „billigen“ Jobs, die niemand machen will?

Die werden richtig teuer werden, gerade weil sie gemacht werden müssen und weil man dann niemanden mehr einfach mit einem Hungerlohn abspeisen kann. Das ist ja das Besondere am Grundeinkommen, dass es auch den Arbeitnehmer zum Unternehmer macht, und zwar gerade den Arbeitnehmer, der besonders schwere und unschöne Arbeit leistet.

Und diejenigen, die dann gar nicht mehr arbeiten wollen?

Sicher werden dann einige nur noch vor der Glotze hängen und faulenzen. Das tun sie allerdings auch heute schon. Es gibt da keinen Kausalzusammenhang, nur: Wer arbeiten wollen wird – und das ist die Mehrheit –, wird es viel freier und selbstbestimmter tun können als heute. [...]

Warum hat die Politik dann dieses Mittel nicht schon längst ergriffen?

Das Gerede von der Erwerbsarbeit als einzigem Sinnstifter unserer Existenz ist ein Herrschaftsinstrument. Alles ist bei uns auf Erwerbsarbeit ausgerichtet: der Rhythmus der Tageszeiten, die Ausbildung, der Übergang von der Pubertät ins Erwachsensein. Der Einzelne definiert sich vor allem über die Erwerbsarbeit; deshalb zwingt er sich zur Anpassung. Fällt dieser Selbstzwang weg, kann man die Freiheit nicht mehr kontrollieren – so fürchten viele. Wenn die Arbeit ausgeht, verlieren viele der Herren der Arbeitsgesellschaft das Fundament ihrer Macht.

Reposted bypowerToThePoepleteijakool02mydafsoup-01makrosentspanndichnicapicellaawsmeecblackbollabolladonaudampfschifffahrtsgesellschaftDUrbanmiriaminoepimetheussimpsinatoriggyllankrunadalyGoldenSquirreltcmadremdicoElfenalska

September 03 2013

achim724
Regionenübergreifend besage jedoch der ökonomische Leitgedanke des neuen Arbeitsmarktregimes, „dass eine intensivere Konkurrenz zwischen Beschäftigten und Arbeitslosen, aber auch unter den Arbeitslosen selbst, den Reservationslohn, also das Einkommen von Erwerbslosen, senkt und so den Anreiz zur Arbeitsaufnahme erhöht. Dem liegt die Vorstellung zur Grund, marktgerechtes Verhalten der Erwerbslosen könne Beschäftigung erzeugen. [...]
Es gab unter den Befragten nur einen einzigen Fall, bei dem man mit Bestimmtheit sagen könne, dass etwas eingetreten sei, was – dem Anspruch nach – das Ziel der aktivierenden Arbeitsmarktpolitik ist. Viel eher sei ein Wechsel von den „Als-Ob-Arbeiter/innen“ [z.B. den EhrenamtlerInnen] zu den „Nicht-Arbeiter/innen“ feststellbar, also eine Abwärtsmobilität. [...]
In keinem Fall habe sich nachweisen lassen, dass der Sprung in bessere Verhältnisse gelungen sei, weil die Arbeit der Fallmanager/in erfolgreich gewesen sei. [...] Der Anteil von Aktivierungsmaßnahmen am individuellen „kleinen Aufstieg“ sei jedenfalls vergleichsweise gering. Diejenigen, die einen Aufstieg geschafft habe, hätten diesen auch ohne das strenge Zumutbarkeitsregime geschafft. [...] Ein weiterer Befund sei schließlich die Anpassung an die prekären Lebensumstände, d.h. man blicke nicht mehr in eine bessere Zukunft. Ressourcenknappheit und strenge Zumutbarkeit würden aber die Gefahr des weiteren Abgleitens, in Verschuldung und im Extremfall gar in die Verwahrlosung erhöhen. [...]
Beim Umgang mit dem Mangel könne man im Osten einen Rückgriff auf das Verhalten in früheren Mangelsituationen in der ehemaligen DDR feststellen.
Klaus Dörre et al.: Bewährungsproben für die Unterschicht | NDS
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