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July 10 2015

achim724

Bloß die Wahrheit

...und dabei bringt nur mal einer seiner Wasserträger das Wesen des Finanzkapitalismus auf den Punkt.
Noch ein Link...

March 09 2015

achim724

Y. Varoufakis:
Rettet den Kapitalismus vor der Bankruptokratie

Doch an dieser Stelle möchte ich meine Sicht auf einen krisengeschüttelten, zutiefst unvernünftigen und abstoßenden europäischen Kapitalismus darlegen, dessen Zusammenbruch, trotz all seiner Fehler, unter allen Umständen vermieden werden sollte. Dieses Bekenntnis soll dazu dienen, Radikale von einem widersprüchlichen Auftrag zu überzeugen: den freien Fall des europäischen Kapitalismus zu stoppen, eben gerade damit wir Zeit bekommen, um eine Alternative zu formulieren.[...]

Ein Hauptgrund, warum die herrschende Meinung mit der gegenwärtigen Realität nicht zurechtkommt, besteht darin, dass sie niemals die dialektisch enge 'verbundene Produktion' von Schulden und Kapitalüberschuss, von Wachstum und Arbeitslosigkeit, von Armut und Reichtum, von Spiritualität und Verdorbenheit und tatsächlich von Gut und Böse, von neuen Perspektiven des Vergnügens und neuen Formen der Sklaverei, von Freiheit und Versklavung begriffen hat. Das Drehbuch von Marx wies uns auf diese Polaritäten als Quellen der Listen der Geschichte hin. [...] Von allen Passagen in Keynes’ 'Allgemeiner Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes' von 1936 ist es die Idee der selbstzerstörerischen Willkürlichkeit des Kapitalismus, die wir wiederaufgreifen und mit der wir den Marxismus erneut radikalisieren müssen.[...] [Gegen Lenins"Je schlimmer, desto besser":] Die Dinge konnten immer schlechter werden, ohne dass sie je besser wurden. Mit jeder Schraubendrehung der Rezession wurde die Linke noch etwas introvertierter und noch weniger fähig, ein überzeugendes progressives Programm zu entwickeln. Die Arbeiterklasse wurde gleichzeitig gespalten in diejenigen, die aus der Gesellschaft ausschieden, und diejenigen, die ins neoliberale Gedankensystem eingesogen wurden.[...]

Mrs. Thatcher erteilte mir eine harte Lektion darüber, dass eine lang andauernde Rezession jede progressive Politik zu untergraben und die Menschenfeindlichkeit ins Gewebe der Gesellschaft zu tragen vermag. [...] Deshalb bin ich nicht bereit, dieser postmodernen Version der dreißiger Jahre neuen Schub zu verleihen. Falls das heißt, dass wir, die angemessen unorthodoxen MarxistInnen, den europäischen Kapitalismus vor sich selbst retten müssen, dann ist es halt so. Nicht aus Liebe für den europäischen Kapitalismus, für die Eurozone, für Brüssel oder die Europäische Zentralbank, sondern weil wir die menschlichen Opfer dieser Krise möglichst gering halten wollen. [...] Das haben wir mit dem «Bescheidenen Vorschlag» zu tun versucht. Wenn wir ein unterschiedliches Publikum von radikalen Aktivistinnen bis Hedgefondsmanagern ansprechen, dann steht dahinter die Idee, strategische Allianzen sogar mit Rechten zu schmieden, mit denen wir ein einfaches Interesse teilen: das Interesse, die negative Rückkoppelung zwischen Austerität und Krise, zwischen bankrotten Staaten und zerbrochenen Rücken zu beenden.Eine Rückkoppelung, die sowohl den Kapitalismus wie jedes progressive Programm untergräbt, das ihn ersetzen will.[...]

Schließlich ist der marxistische Humanismus ein ständiger Kampf gegen das, was wir werden.
Varoufakis 2013 | Peira

June 09 2014

achim724

State of Corporations – The rise of illegitimate power and the threat to democracy

Seit Mitte der 90er Jahre haben sich die größten Bank-, Kredit-, Versicherungs- und Accounting-TNCs [transnationale Konzerne] der USA zusammengetan und, mit 3000 eigens zu diesem Zweck eingestellten Fachkräften, fünf Mrd. US-Dollar dafür verwendet, sich alle unter Roosevelt in den 30er Jahren in Kraft gesetzten New-Deal-Gesetze vom Hals zu schaffen – also ebenjene Gesetze, die der amerikanischen Volkswirtschaft über 60 Jahre hindurch Schutz geboten hatten. [...]

Derweil dürfen Banken und Anleger weiter verfahren wie bisher. Wenig oder gar nichts ist seit dem Absturz von Lehman Brothers geschehen, das Finanzwesen zu re-regulieren. Im Gegenteil macht der Derivatehandel mittlerweile sogar an die
2 300 000 000 000 Dollar (2,3 Billionen) Umsatz pro Tag – ein Drittel mehr als vor der Krise. Das ultraschnelle Flash Trading, also der automatisierte Devisenhandel, der gänzlich über Computer und Algorithmen abgewickelt wird, liegt sogar um die 50 Prozent über dem Vorkrisenniveau. Die Laissez-faire-Attitüde der Finanzindustrie gegenüber schürt die Glut der nächsten Krise. Diese wird, das lässt sich sicher voraussagen, noch schlimmer ausfallen als die letzte. [...]

Eine bemerkenswerte Untersuchung mit dem Titel „The Network of Global Corporate Control” vorgelegt. Diese zeichnet die Verbindungen tausender Transnationaler Konzerne untereinander akkurat nach. Ausgehend von den Daten zu 43 000 Unternehmen arbeiten sie schrittweise die Eigentumsbeziehungen heraus. Es ergibt sich eine „Kerngruppe” aus 147 Firmen, die 40 Prozent des wirtschaftlichen Gesamtwerts aller erfassten Unternehmen kontrolliert. [...] im Anhang ihrer Studie [...] sind die 50 am engsten miteinander verflochtenen Unternehmen aufgelistet, welche das von den Forschern sogenannte Knife-Edge Property verkörpern – also sozusagen für einen Balanceakt auf Messers Schneide stehen. Die dichte Verflechtung bedeutet nämlich zugleich 'Anfälligkeit für systemische Risiken'. Das wiederum heißt: 'Während das Netzwerk in guten Zeiten robust erscheint, geraten diese Firmen in schlechten Zeiten alle zugleich in Gefahr.' Von den 50 am engsten miteinander verbundenen und infolgedessen risikoanfälligsten Unternehmen der Züricher Liste sind 48 Banken, Hedgefonds oder andere Finanzunternehmen. [...]

Tatsächlich aber ist das IASB inzwischen eine mächtige Institution, die unter anderem verhindert, dass die Steuerschlupflöcher geschlossen und Steueroasen der TNCs trockengelegt werden. Um effektiv Steuern einziehen zu können, müssen die Finanzbehörden jedes einzelnen Landes die Umsatz- und Beschäftigtenzahlen, Gewinne und entrichtete Steuern kennen. Bis heute müssen transnationale Konzerne ihre Geschäftsberichte jedoch nicht „Land für Land” ausgeben. Das erlaubt es ihnen, ihre Gewinne in Ländern mit Niedrigsteuersystemen oder ganz ohne Steuern und ihre Verluste in Hochsteuerländern zu platzieren. Sie können dies nur tun, weil die Regeln maßgeschneidert dafür sind, die Offenlegung dieser Daten zu vermeiden. Die Folge: Kleine, an ihr Heimatland gebundene Unternehmen und Privathaushalte mit nationaler Anschrift werden die Hauptträger der Steuerlast bleiben oder schlicht ohne die staatlichen Leistungen zurechtkommen müssen, die eine gerechte Besteuerung der TNCs ermöglicht hätte. [...] Die gewöhnlichen Bürger werden weiterhin die Steuerlast tragen müssen. Steueroasen hingegen, in denen reiche Privatleute und Konzerne nach zuverlässigen Schätzungen um die 32 Billionen US-Dollar versteckt haben, werden weiterhin florieren. [...]

Der Trans-Atlantic Business Dialogue, der den geheim gehaltenen Vertragstext entwarf, benannte sich später in Transatlantic Economic Council (TEC) um und beschreibt seine Aufgabe als 'Abbau von Regulierungsmaßnahmen zwecks Ermächtigung des Privatsektors'. [...] Der TEC bezeichnet sich selbst als 'politisches Gremium', und sein Direktor verkündet stolz, zum ersten Mal habe hier 'der Privatsektor eine offizielle Rolle bei der Festlegung der EU/US-Politik' gespielt. [...]

Dabei ist es keine sonderlich neue Erkenntnis, dass Regierungen seit jeher im Sinne bestimmter Klasseninteressen gehandelt haben. Etwas ganz anderes aber ist es, diesen Interessengruppen zu gestatten, die Gesetze selbst zu schreiben und die Politik direkt in die Hand zu nehmen – die Haushalts-, Steuer-, Arbeitsmarkt-, Sozial- und Umweltpolitik eingeschlossen – und sich so an die Stelle der gewählten Parlamentarier und öffentlichen Bediensteten zu setzen. [...]

Am Ende könnten sie die Verfassungsformel von der Regierung „des Volkes durch das Volk und für das Volk” ersetzen durch eine Regierung „der Konzerne durch die Konzerne und für die Konzerne“. Bürgerinnen und Bürger, denen an der Demokratie liegt, können diese Entwicklung nicht straflos ignorieren.

[Erstveröffentlichung hier.]
S.George: Macht ohne Rechenschaft: Der globale Lobbyismus, Blätter 6'14
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June 06 2014

achim724

Es geht weiter

"Volkswirtschaftlich betrachtet ist diese Entwicklung [die von partikularen Spekulanteninteressen gesteuerte Organisation des Kapitalmarkts] als eine massive Vergeudung von Ressourcen zu betrachten. Der Kapitalmarkt verschlingt viel zu viele Ressourcen. Gut ausgebildete, intelligente junge Leute wurden in den letzten drei Jahrzehnten in Beschäftigungsfelder gelockt, die betriebswirtschaftlich für einzelne Personen und Gruppen lukrativ sind, volkswirtschaftlich sind die Investmentbanker in der Regel die reine Verschwendung. Der Betrieb eines Casinos kann bei vernünftiger Konzeption der Social Technique „Kapitalmarkt“ nicht Teil des Konzeptes sein. Das ist aber so gekommen und die politisch Verantwortlichen insgesamt, von der EU über den Internationalen Währungsfonds bis zur EZB, tun offensichtlich nichts, um dieser Vergeudung entgegenzutreten. Im Gegenteil, sie fördern sie."
A.Müller auf NDS über untauglichen Versuch, mit Niedrigzinspolitik allein die Krise zu meistern
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December 27 2013

achim724
Alles ist möglich. Inflation, Deflation, Hyperinflation. Wie reagieren die Menschen, wenn alle Sicherheiten verschwinden, sie aus ihrem Leben hinausgeworfen, ihre Lebensentwürfe brutal zerstört werden? Meine geschichtliche Erfahrung sagt mir, dass wir uns - ich kann das nicht ausschließen - auf eine Tragödie zubewegen. Es wird Blut fließen, mehr als das, viel Blut, das Leid der Menschen wird zunehmen, auch die Zahl der Flüchtlinge.
Hobsbawm im STERN-Interview 09
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November 14 2013

achim724
Seit 2009 wurden 880 Menschen zu Milliardären. Heute besitzen 2170 Menschen mehr als eine Milliarde Dollar. Ihr gesamtes Vermögen hat sich in dieser Zeit [der Krise] mehr als verdoppelt: von 3,1 Billionen Dollar auf 6,5 Billionen Dollar.
Billionärszensus | SZ
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July 16 2013

achim724
"Recessions can hurt. But Austerity kills." (Stuckler und Basu: "The Body Economic")
2009 musste Athen den Gesundheitsetat von 24 auf 16 Milliarden Euro kürzen. Danach schnellte die HIV-Rate hoch, weil nicht mehr genügend frische Nadeln an Drogensüchtige ausgeteilt werden konnten. Die Kindersterblichkeit ist um 40 Prozent gestiegen. In den Jahren 2010 und 2011 wurde weiter gekürzt, mit der Folge, dass es in vielen Krankenhäusern heute zugeht wie in Drittwelthospitälern, selbst einfachste Dinge wie Handschuhe, Desinfektionssprays und Schmerzmittel fehlen. 40 Prozent der Bevölkerung dürfen aber gar kein Krankenhaus mehr aufsuchen, weil sie aus der Krankenversicherung geflogen sind. [...] Als Schweden und Finnland in den Achtziger- und Neunzigerjahren durch eine Rezession gingen, blieb die Zahl der Selbstmorde konstant. Beide Länder kürzten in dieser Krisenzeit nicht im Gesundheitssektor. Die [...] Isländer weigerten sich am Ende ebenfalls, die Austeritäts-Forderungen des IWF umzusetzen. Im Gegenteil, sie steigerten die Sozialausgaben von 21 auf 25 Prozent des Bruttosozialprodukts. Mit dem Ergebnis, dass sich die Gesundheitsdaten der Isländer trotz der Krise signifikant verbesserten. [...]
Die beiden Epidemiologen argumentieren nicht sozial oder verantwortungsethisch, sondern streng volkswirtschaftlich. Sie rechnen die ökonomischen Langzeitschäden durch, die durch all die Selbstmorde, Infektionen, Krankheiten, Depressionen und die Arbeitslosigkeit entstehen und entlarven die Austeritätspolitik, die ja stets im Gewand wissenschaftlich kühler Sachlogik daherkommt, als destruktive Ideologie [...]
Wie sich die Finanzkrise auf die Gesundheit auswirkt | SZ
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June 05 2013

achim724
Alle Industriestaaten sind hoch verschuldet und damit Geiseln der Großbanken, die die Spielregeln [im Börsen-Casino] festlegen.
kultiversum - Joseph Vogl: Das Gespenst des Kapitals
achim724
“Dass unsere Proteste gegen die Kürzungspolitik hier zu Lande ebenso wie in anderen europäischen Ländern durch brutale Knüppeleinsätze der Polizei verhindert werden sollen, zeigt, dass wir einen Nerv treffen. Die autoritäre Krisenpolitik soll gegen jeden Widerstand durchgesetzt werden, koste es, was es wolle – und sei das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit”, sagte Ani Dießelmann, für die Interventionistische Linke im Bündnis. “Dass die Exekutive offensichtlich geplant Gerichtsurteile faktisch außer Kraft setzt, ist ein Skandal.”
PM Blockupy Ffm
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